Mindesthaltbarkeit ≠ Verfallsdatum. 10 Fakten, die du über die Verschwendung und Haltbarkeit von Lebensmitteln kennen solltest

„Mindestens haltbar bis … heißt nicht tödlich ab …“ – schon mal gehört? Bestimmt. Leider ist es immer noch so, dass viele Verbraucher*innen nach einem Blick auf das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung ihrer Lebensmittel den vermeintlich „schlechten“ Joghurt, Käse oder Aufstrich ungeöffnet entsorgen. Weil uns die Aufklärung hin zu weniger Lebensmittel- und Ressourcen-Verschwendung so unheimlich wichtig ist, möchten wir in diesem Artikel 10 Fakten zur Haltbarkeit von Lebensmitteln mit euch teilen.

1. 80 kg Lebensmittel wirft im Durchschnitt jede*r Deutsche im Jahr in den Müll.

80 kg – das ist so viel als würdest du 160 Packungen Haferflocken in die Mülltonne werfen, oder 750 Äpfel. Wie die Grafik (in Anlehnung an Zu-gut-für-die-Tonne) zeigt, sind es tatsächlich Obst und Gemüse, die in privaten Haushalten am meisten weggeworfen werden. Prozentual darauf folgen zubereitete Speisen und Backwaren. Die Gründe, wieso Nahrung entsorgt wird, sind unterschiedlich, aber am Ende landen eben Lebensmittel in der Tonne. Deutlich weniger Lebensmittel würden verschwendet werden, wenn mehr Menschen besser über die Haltbarkeit, die richtige Lagerung von Nahrungsmitteln und die verschiedenen Begrifflichkeiten auf den Verpackungen Bescheid wüssten – und da wären wir gleich beim nächsten Punkt…

2. Es ist gesetzlich nicht verboten, abgelaufene Waren zu verkaufen.

Generell gilt: Der Verkauf von Lebensmitteln mit bereits erreichtem MHD ist in Deutschland nicht verboten. Hier muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum. Lebensmittel, bei denen das MHD-Datum überschritten ist, dürfen weiterhin verkauft werden. Lebensmittel mit erreichtem Verbrauchsdatum, wie z.B. bei frischem Fleisch oder Fisch, hingegen nicht. Weitere Informationen dazu findest du zum Beispiel hier. Unser Shopkonzept beruht u.a. darauf, uns als Gesellschaft für dieses Thema zu sensibilisieren und Produkten, die weiterhin noch in Ordnung sind, den unnötigen Weg in den Müll zu ersparen. Natürlich bieten wir in unserem Shop keine Lebensmittel an, die nicht mehr zum Verzehr geeignet sind. Genau aus diesem Grund bekommen einige dieser Produkte bei uns im Shop noch eine zweite Chance. Wusstest du eigentlich, dass auch Kosmetika und Medikamente ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben? Mir persönlich war das früher vor allem bei Kosmetika überhaupt nicht bewusst, dass in diesem Bereich so viele Produkte ein MHD tragen, und deshalb auch unglaublich viel weggeschmissen und entsorgt wird.

3. Die richtige Lagerung von Lebensmitteln ist goldwert.

Viele Lebensmittel in privaten Haushalten verderben zu schnell, weil sie nicht richtig gelagert werden. Besonders Obst und Gemüse, Nüsse oder Backwaren können durch die richtige Lagerung deutlich länger in deiner Küche lagern, und du musst sie nicht unnötig entsorgen. So können Ressourcen gespart werden, und du schonst deinen Geldbeutel.
Überschüssiges Brot kannst du z.B. einfach in Scheiben einfrieren, und bei Bedarf im Toaster ruck zuck aufbacken. Schrumpelige Karotten werden in einem Wasserglas wieder knackig und frische Kräuter halten sich in feuchte Tücher gewickelt länger. Hier findest du weitere tolle Tipps!

4. Einige Lebensmittel, wie Konserven, Reise oder Kakaopulver halten sich noch Jahre über ihr MHD hinaus.

 

 

Wie schon im zweiten Punkt erläutert, halten sich viele Lebensmittel noch viel länger – manche sogar bis zu einem Jahr über ihr MHD hinaus! Lass dich nicht vom Datum auf der Verpackung in die Irre führen. Der beste Tipp an dieser Stelle: Vertrau auf deine eigenen Sinne! Schau dir die Butter, das Brot oder den Käse genau an, mach einen Geruchs- und Geschmackstest.
Besonders Trockenprodukte wie Mehl, Gewürze, Tee oder Hülsenfrüchte halten sich an einem trockenen und dunklen Ort gelagert beinahe unbegrenzt.

 

Bei uns im Shop findest du zum Beispiel verschiedenste Sorten des Koawach Bio-Kakaos sowie Riegel, Pralinen und Schokoladentafeln von Lovechock. Der Kakao hat sein MHD bereits überschritten, schmeckt aber noch genauso lecker und macht genauso wach 😉 . Auch die Lovechock-Leckereien erreichen bald ihr MHD – was aber überhaupt nichts an ihrem Geschmack ändert. Wir haben die Schokis natürlich im Vorfeld auf Geschmack, Konsistenz und Optik untersucht und getestet 🤓

5. „Zubereitete Speisen haben den größten ökologischen Rucksack“

Das erklärt Gerold Hafner, der im Auftrag des Ernährungsministeriums eine Studie zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland geleitet hatte (mehr zur Studie gibt’s hier nachzulesen). Wenn Fertigprodukte verkauft werden, wurden für ihre Erzeugung ja bereits Ressourcen und Energien verbraucht. Entsorgt der Endverbraucher, also wir Privatpersonen, dann ein solches Fertigprodukt, vernichtet er diese Energien.
Besser also: möglichst regional einkaufen und Speisen daheim selbst frisch zubereiten.

6. Der Verderb von Speisen kann hinausgezögert werden.

Es gibt unheimlich viele Methoden, um Lebensmittel länger haltbar zu machen, das Schlagwort an dieser Stelle lautet: Konservierung.
Dass du Lebensmittel ganz easy in den Freezer packen kannst, und bei Bedarf wieder auftauen, ist dir sicher bekannt. Auch die Lebensmittelindustrie bedient sich dieser Methode – denken wir nur an Tiefkühlpizza und Co. Obst kann zu Kompott weiter verarbeitet werden, indem es eingekocht wird. Salzen, Trocknen und Zuckern sind uralte Möglichkeiten, Speisen vor dem Verderb zu bewahren und funktionieren natürlich auch heute noch.

7. Es ist total okay, wenn beim Bäcker die Theke abends nicht mehr voll gefüllt ist.

Nach der Arbeit oder einem langen Uni-Tag nochmal schnell zum Lieblingsbäcker oder Supermarkt ums Eck und dann – die Ernüchterung: Leere Theken und ausgeklaubte Regale. Ein kleiner Denkanstoß ist an dieser Stelle nötig: Es ist viel besser, wenn Märkte darauf achten, dass Waren über den Tag aufgekauft werden. Alles was nach Ladenschluss übrig bleibt, landet sonst häufig in der Tonne.
Ärger dich also nicht, wenn du kurz vor dem Feierabend nicht mehr die größte Auswahl an Backwaren oder ähnlichem vorfindest, denn das bedeutet, dass sich der oder die entsprechende Händler*in Gedanken gemacht hat, und überschüssige Ware vermeiden will.

8. Gezieltes Einkaufen rettet Lebensmittel.

Hungrig und ohne Plan los zum nächsten Supermarkt? Das solltest du möglichst vermeiden. Denn mit Heißhunger und ohne Einkaufsliste landen meistens neben zahlreichen Snacks, zusätzlich Waren in unserem Korb oder Jutebeutel, die wir zu Hause dann gar nicht richtig verwerten können. Schau deswegen bevor du morgens das Haus verlässt oder zum Einkaufen gehst, nochmal nach, was du in deinem Kühlschrank hast und welche Produkte verwertet werden müssen.
Schreib dir dann am besten eine Einkaufsliste und halte dich im Laden daran. Vermeide außerdem als Einzelperson Sonderaktionen, wie riesen Familienpackungen oder vermeintliche „Nimm 3, zahl nur 2“-Schnäppchen.

9. Du kannst Essen per App retten.

To Good To Go heißt die App, mit der du ganz easy sehen kannst, welche Speisen in deiner Umgebung abends noch übrig geblieben sind. Mit dabei sind vor allem Bäckereien, aber auch Restaurants oder Fast-Food-Ketten. Über die App siehst du, was in deiner Nähe verfügbar ist. Du kannst dir deine Wundertüte bzw. Gericht dann von daheim aus vormerken, und in einem vorgegebenen Zeitfenster bei dem jeweiligen Betrieb zu vergünstigten Preisen abholen.
Eine andere Plattform, die gegen die Verschwendung von Lebensmitteln kämpft, ist Foodsharing. Klicke hier und werde teil der Retter-Bewegung! 🙂

10. Unsere Verschwendung und der Überschuss von Lebensmitteln in Deutschland trägt zu einer weltweiten Verknappung von Ressourcen bei.

Die geringe Wertschätzung und Verschwendung von Waren hier bei uns hat weltweite Auswirkungen. Denn wenn in Deutschland ständig bestimmte Lebensmittel in sehr großen Mengen verfügbar sein sollen, reichen unsere heimischen Anbauflächen nicht mehr aus. Das bedeutet, Getreide oder andere Rohstoffe importiert werden müssen, und die Preise auf dem Weltmarkt ansteigen. So werden Ressourcen insgesamt teurer und knapper.

 

Wertschätzung von Lebensmitteln und achtsamer Konsum

Die 10 Fakten führen letztlich zu zwei Vorsätzen, die wir uns alle zu Herzen nehmen können, ja sogar unbedingt müssen.

In Lebensmitteln stecken Ressourcen, Energien und Arbeitskräfte. Es sollte deswegen selbstverständlich sein, dass die Waren zu entsprechend hohen Preisen angeboten werden, und ein Überfluss an Nahrungsmitteln nicht die Norm darstellt.

Wir haben die Aufgabe, Nahrung die Wertschätzung zu geben, die sie verdient. Wir können nicht verschwenderisch mit ihr haushalten, sondern müssen – wenn wir es noch nicht getan haben – den achtsamen Konsum von Lebensmitteln verinnerlichen.

 

Quellen:
https://www.zeit.de/wissen/2019-05/lebensmittelverschwendung-haushalte-essen-muell-deutschland

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittel-zwischen-wertschaetzung-und-verschwendung-6462

http://www.tafel.de/themen/nachhaltigkeit/mhd/

 

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