Retouren retten statt vernichten – Passen Nachhaltigkeit und Onlineversand zusammen?

Jedes sechste Paket wird zurückgeschickt, das sind etwa 280 Millionen Pakete deutschlandweit. Knapp vier Prozent davon werden vernichtet. Dementsprechend landen elf Millionen, oft einwandfreie Online-Retouren, einfach im Müll. Bisher gab es keine Gesetze, die dies verboten haben – das könnte sich ab jetzt ändern!

Der Gesetzesentwurf gegen die Vernichtung von Retouren

Kürzlich wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt, der diese Vernichtung von Retouren unterbinden soll:

  • Die Obhutspflicht soll eingeführt werden, die Hersteller und Händler dazu verpflichtet, Produkte gebrauchsfähig zu halten und sie nur in Ausnahmefällen zu vernichten.
  • Unternehmen sollen den Umgang mit ihren Retouren transparent dokumentieren. Eine entsprechende Verordnung wird vom Bundesumweltministerium ausgearbeitet.
  • Hersteller von Einwegprodukten wie To-Go Becher oder Zigaretten sollen an den Reinigungskosten von Straßen und Parks beteiligt werden. Bisher wurden diese Kosten wohl allein auf Bürger über kommunale Gebühren umgelegt.

Es gibt schon jetzt viel Kritik an diesem Entwurf- es sei nicht streng genug und es gäbe noch viele “Hintertürchen”. Wir finden aber, es ist zumindest ein guter Schritt in die richtige Richtung und setzt ein Zeichen gegen unsere Wegwerfgesellschaft.

 

In der Praxis: Ein Erfahrungsbericht von Groenenberg

Um noch eine andere Sichtweise auf das Thema zu bekommen, haben wir Peter von unserem Partnerunternehmen Groenenberg befragt. Groenenberg verkauft Produkte rund um die handgemachte Kaffeezubereitung und hat bereits Erfahrungen mit dem Versand über Amazon gemacht und dementsprechend auch mit der Retourenabwicklung dort.

F: Peter, aus eurer Erfahrung heraus: Wie läuft das Handling von Retouren bei Amazon normalerweise ab? Und warum wolltet ihr da nicht mehr mitmachen?

A: Amazon teilt seine Retouren in „verkaufbar“ und „nicht verkaufbar“ ein. Die Verkaufbaren werden wieder eingelagert und erneut zum Kauf angeboten. Das Problem ist aber, die nicht verkaufbaren Retouren werden zum großen Teil entsorgt. Zudem werden viel zu oft eigentlich noch absolut neue und einwandfreie Artikel, von Amazon als nicht verkaufbar eingestuft. Hier ist aber auch der Verkäufer in der Pflicht, denn wir können als Händler bei Amazon veranlassen, dass diese „nicht mehr verkaufbaren Retouren“ zu uns geschickt werden und somit eine Entsorgung verhindern. Alle unsere Produkte, die also bei Mit Ecken und Kanten verkauft werden, wurden ursprünglich von Amazon als „unverkaufbar“ eingestuft.

F: Denkt ihr, dass das neue Gesetz wirkliche Veränderungen mit sich bringen wird?

A: Das weiß ich nicht, noch ist es ja erstmal nur ein Entwurf. Das Gesetz soll ja Onlinehändler in die Pflicht nehmen. Hier muss man unterscheiden zwischen zum Beispiel Amazon als Marktplatz, der ja auch Eigenprodukte vertreibt und den Händlern wie wir es sind, die einen solchen Marktplatz als Vertriebskanal nutzen. Es wird immer nur von Amazon oder Zalando in den Medien gesprochen, aber jeder einzelne Händler, der diese Marktplätze nutzt, trägt eine Verantwortung und kann Einfluss auf diese Problematik nehmen. Es wird sich zeigen, ob das Gesetz auch wirklich beide Seiten in die Pflicht nimmt. 

F: Warum bekommt ihr überhaupt Retouren? Man könnte meinen, bei Espressokochern etc. könnte man nicht viel falsch machen.

A: Das ist eine gute Frage. Tatsächlich haben wir eine sehr geringe Retourenquote, aber es kommt trotzdem immer noch zu viel zusammen. Hier müssen wir uns alle als Konsument*innen mal hinterfragen. Wir bekommen so viele Retouren, wo das Produkt noch komplett neu und einwandfrei ist, dass wir uns fragen, ob manche Leute überhaupt nachdenken, bevor sie etwas bestellen. Natürlich kommt es aber auch vor, dass ein Produkt wirklich mal fehlerhaft ist, deshalb versuchen wir ständig unsere Qualität und Beschaffenheit der Produkte zu verbessern, um die Retouren weiter zu senken.    


Unser nachhaltiger Onlineshop

Wir bei Mit Ecken und Kanten bieten mit unserem Onlineshop nachhaltigen Unternehmen unter anderem die Möglichkeit, Retouren mit kleinen Schönheitsfehlern eine zweite Chance zu geben. Es sind meist Produkte, die noch einwandfrei funktionieren und aussehen und die viel zu gut für die Mülltonne sind.

Auf der anderen Seite gibt es oft Retouren, die zu B-Waren werden und bei uns im Shop landen, weil Verbraucher mit ihnen nicht sorgsam genug umgegangen sind. Das sind z. B. Kleidungsstücke, die mit Flecken oder Löchern an den Händler zurückgeschickt wurden. Wir freuen uns natürlich, auch diesen Produkten eine zweite Chance zu geben, finden aber, dass das ein Thema ist, für das noch viel mehr Sensibilität geschaffen werden sollte. Nicht nur Unternehmen, sondern auch Konsumenten sollten sich darüber bewusst werden, welche Auswirkungen ein unbedachter Umgang mit Retouren hat.


Unser Onlineversand: Plastikfrei, ressourcenschonend und individuell

 

 

Grundsätzlich achten wir darauf, den Versand so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Wir verwenden je nach Produkten die kleinstmöglichen Kartons, um somit so wenig wie möglich Material und Füllmaterial zu verbrauchen. Unsere Versandkartons bestehen aus rund 50% recyceltem Material und unser Füllmaterial ist sogar zu 100% recycelt. Wir verwenden außerdem Kartons, die durch Retouren oder Lieferungen bei uns landen, so oft wie möglich wieder. Bestellungen von gleichen Kund*innen, die kurz hintereinander getätigt wurden, verschicken wir gerne in einem Paket. 

Wir versenden mit DHL GoGreen. Dabei bezahlen wir einen Aufpreis von 0,02€ pro Paket, der dann in nachhaltige Projekte fließt. Mehr Infos zu den laufenden Projekten findet ihr hier

 

Wusstest du, dass wir ab 55€ Versandkostenfrei liefern (innerhalb Deutschlands)? 

 

Der Rückversand von euch zu uns nach Nürnberg

Wir haben uns gegen einen kostenlosen Rückversand entschieden, um einen bewussteren Einkauf zu fördern. Es wäre für uns als Start-Up auch eine zu große finanzielle Belastung, die Kosten für jeden Rückversand zu tragen. 

Wir schreiben außerdem in die Produktbeschreibungen so genau wie möglich, welchen Mangel die Produkte haben, um den Zustand für euch so transparent wie möglich zu machen. 


Eure Community-Fragen

Wir haben euch auf Instagram nach euren Fragen rund um das Thema Retouren(gesetzesentwurf) und Versand gefragt. Sofern nicht schon im Text erklärt, beantworten wir sie hier für euch:

F: Gibt es potenziell durch das Gesetz mehr Marken und Produkte in eurem Angebot?

A: Da es aktuell nur ein Gesetzesentwurf ist, lässt sich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Ist aber natürlich nicht ausgeschlossen und würde uns sehr freuen!

F: Gibt es denn auch die Möglichkeit, kleine Artikel aus dem Shop günstiger zu verschicken? Zum Beispiel Kosmetik als Maxibrief?

A: Das können wir leider nicht anbieten, da 1. die Sendung nicht versichert oder nachverfolgbar wäre, 2. unter Umständen die Produkte nicht ausreichend geschützt wären und 3. unser System nur Labels für Pakete erzeugt und durch eine manuelle Erstellung ein hoher Kosten- und Zeitfaktor entstehen würde. 

F: Kann man Bestellungen ansammeln und dann nach ein paar Wochen in einem Paket verschicken?

A: Sammelbestellung fänden wir theoretisch super, ist aber bei uns logistisch und lagertechnisch momentan leider nicht umsetzbar.

 


Was kann jede*r einzelne tun?

Wir finden, nicht nur Unternehmen, sondern auch wir als Verbraucher, stehen in der Pflicht, unser Online-Bestellverhalten zu überdenken. Wir haben ein paar Tipps für euch zusammengetragen, wie ihr selbst zur Ressourcenschonung beitragen könnt:

  • Überlegt euch schon vor der Bestellung: Brauche ich das Produkt wirklich? Prüft durch Bewertungen und/oder Produktbeschreibungen, ob das Produkt wirklich euren Erwartungen entspricht. Bei Kleidung gibt es z.B. oft Maßtabellen, an denen ihr euch orientieren und selbst nachmessen könnt.
  • Bestellt gemeinsam mit anderen Leuten: Das ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern spart euch oftmals auch Versandkosten.
  • Bevor ihr ein Produkt direkt retourniert, fragt in eurem Freundes- oder Bekanntenkreis nach, ob es vielleicht jemand anderes behalten möchte.
  • Behandelt Produkte und deren Verpackungen, die ihr zurückschicken wollt, pfleglich und sorgsam, sodass sie wieder als A-Ware weiterverkauft werden können.
  • Hebt gebrauchte Versandkartons auf – vielleicht könnt ihr darin irgendwann selbst wieder etwas verschicken.

 

 

Wir hoffen, dass wir euch das Thema Versand und Retouren ein wenig näher bringen konnten und euch ein paar Denkanstöße mitgegeben haben. Wenn ihr noch Fragen dazu habt, meldet euch sehr gerne bei uns 🙂

 

Quellen:
https://www.uni-bamberg.de/news/artikel/retourenmanagement-2019/
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/kabinett-retouren-vernichtung-103.html
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/retouren-gesetzentwurf-kabinett-100.html

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