Umtüten – Baumwollbeutel für Brot, Obst & Gemüse und Snacks

Einkaufen ohne Einweg-Müll zu verursachen wird uns nicht leicht gemacht. Ein Problem, dem sich Christina und Anja mit ihrem Unternehmen umtüten gewidmet haben. Ihr Ziel: Mehr Schwung in das staubige Thema Verpackung zu bringen. Im Interview erzählen uns die beiden von ihren Visionen und stellen uns ihre Baumwoll Tüüten, die sie gemeinsam mit dem Bäckermeister ihres Vertrauens entworfen haben, genauer vor.

1. Wie ist euer Projekt eigentlich entstanden und wer steckt hinter „umtüten“?

Ich (Christina) kam vor einigen Jahren nach einer langen Reise zurück nach Deutschland. Mein erster Stopp: eine Bäckerei, um mir meinen heiß ersehnten Snack in der Heimat zu gönnen.

Doch dort bekam ich gleich meinen ersten Kultur-Schock. Im Sekundentakt wurden ganz selbstverständlich Einweg-Papiertüten über die Theke gereicht.

Als Anja und ich uns zu Beginn des Studiums für Nachhaltigkeitswissenschaften in Kiel kennenlernten, waren wir immer noch umringt von diesem Problem und entschieden uns, es gemeinsam anzugehen.

Als Studentinnen konnten wir ein lokales Umweltprojekt auf die Beine stellen. Vor 5 Monaten, nach Ende unseres Studiums, haben wir uns dann dazu entschieden und mit umtüten selbstständig zu machen.

 

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(c) umtüten

2. Wollt ihr mit euren Beuteln eine Gegenbewegung starten, wie es sie mittlerweile auch bei den Coffee-to-go Bechern gibt?

Die Tüüt ist unser Denkanstoß, um den Einweg-Wahn in Deutschland zu überdenken.

Auf der Arbeit, im Zug oder beim Sport produzieren wir so viel Müll – und merken es oft überhaupt nicht. Mit den Tüüten zeigen wir, dass es so einfach sein kann, Routinen zu durchbrechen.

Man braucht nicht gleich alles umzukrempeln, sondern kann auch mit kleinen Schritten beginnen. Und hat man einmal damit angefangen, denkt man schnell auch in anderen Alltagssituationen um.

3. Wie ensteht denn so eine Tüüt? Wo lasst ihr die Beutel produzieren?

Das Leben einer Tüüt beginnt in Tansania auf einer Baumwollplantage. Die Pflanzen werden komplett regenbewässert.

Dann kommen die Fasern nach Deutschland, wo sie zum Stoff gewoben und gefärbt werden.

Die Maisstärke kommt aus der EU und ist gentechnikfrei. Alle anderen Lieferanten stammen aus Deutschland und treffen sich dann in Augsburg. Dort werden unsere Tüüten handgefertigt.

Teilweise nutzen wir recyceleten Baumwollstoff: Stoffenden aus der Produktion werden wiederverwertet und zu neuem Stoff gewoben.

Die NäherInnen der Werkstatt werden fair bezahlt und vor allem Menschen mit Schwierigkeiten im Arbeitsleben werden gefördert. Zu guter Letzt bedrucken wir die Tüüten in Kiel individuell und händisch im Siebdruck-Verfahren.

 

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(c) umtüten

4. Wie lassen sich eure Beutel verwenden und kann man sie auch reinigen?

In die Brot-Tüüt passen 15 Brötchen oder 2 saftige Brote. Mit der Kordel kann man sie überall aufhängen und hat sie beim nächsten Einkauf auf jeden Fall dabei. Auch zuhause ist sie bestens für die Lagerung der Brötchen geeignet. Bei 40 Grad ist sie einfach waschbar.

Die kleine Snack-Tüüt ist genau richtig für knackige Sandwiches & knusprige Croissants. Das Inlay aus Maisstärke hält Snacks länger frisch. Und mit dem Klettverschluss passt sich die Tüüt flexibel an den Inhalt an. Kurz umgestülpt und mit einem Schwamm ausgewischt ist sie bereit für den nächsten Snack. Ein Waschmaschinen-Gang, ab und zu, ist auch drin.

Die große Markt-Tüüt ist bestens für frisches Obst und Gemüse geeignet. Die Maisstärke hält die Leckereien länger frisch und nach einem Wisch kann man sie mit zum nächsten Markt-Besuch nehmen.

5. Wenn ihr in die Zukunft schaut: wie stellt ihr euch euer Projekt in fünf Jahren vor?

Die Tüüten sind unser Türöffner für noch mehr Wirkung, nämlich in Schulen und in der Industrie.

In Schul-Workshops wollen wir Kinder unterstützen, eigene Nachhaltigkeits-Projekte umzusetzen, um ihnen die Augen für eigene Gestaltungsmöglichkeiten in der Gesellschaft zu öffnen. In Beratungsprojekten mit Fokus auf Müllvermeidung wollen wir Mitarbeiter involvieren, innerbetriebliche Prozesse nachhaltiger zu gestalten.

So wollen wir mit umtüten die deutsche Einweg-Politik nachhaltig mitgestalten.

 

(c) Umtüten

 

Hier geht’s zur Snack Tüüt im Shop. 

4 Kommentare zu “Umtüten – Baumwollbeutel für Brot, Obst & Gemüse und Snacks

  1. Tolle Idee. Wie geht ihr damit um, dass Dir Läden eigentlich gar nichts unverpackt über die Theke geben dürfen?D.h. das Brötchen wird auf jeden Fall erst einmal in einer Wegwerftüte ausgegeben, oder? Das gleiche ja auch beim Metzger.

  2. Hallo liebe Anja 🙂 Also ich habe in letzter Zeit die Erfahrung gemacht, dass man ohne Probleme sein Brötchen direkt in die wiederverwendbare Snack Tüüt bekommt, also ohne vorher eine Einwegtüte nehmen zu müssen. Das ist mit Sicherheit von Bäcker zu Bäcker unterschiedlich, aber wichtig ist, dass man auf jeden Fall vorher nachfragt. Ich glaube, dass sich das nur so langfristig ändern kann 🙂 Liebe Grüße, Jessica

  3. Angelika Wehking am :

    Liebes Team,auf jeden Fall eine gute IDEE
    Meine Erfahrung ist viele Bäcker sind noch nicht soweit.
    Wir bleiben auf jeden Fall am Ball und verweigern die Tüte. Liebe Grüße an alle die Mitmachen

    • Liebe Angelika,

      da gebe ich dir natürlich Recht! Viele Bäcker sind mit Sicherheit noch nicht soweit. Aber wie du sagst: dran bleiben 🙂

      Liebe Grüße
      Jessica

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