nuuwaï – Vegane Taschen aus Apfelleder

Vegane Alternativen gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Leider sind die meisten veganen Materialien alles andere als nachhaltig. Das Startup „nuuwaï“ möchte dem entgegenwirken und produziert vegane Taschen aus Apfelleder, dem sogenannten „Appleskin“. Wir haben mit Gründerin Svenja Detto über ihre Motivation hinter ihrem eigenen Unternehmen und dem spannenden Material gesprochen.

1. Wer und was verbirgt sich hinter dem Namen „nuuwaï“?

„nuuwaï“ ist als Kunstwort aus „new way“ entstanden. Wir wollen zeigen, dass es neue (und nachhaltige) Wege gibt „Leder“ zu tragen, bei denen weder die Umwelt noch die Tiere darunter leiden müssen.

2. Warum hast du dich selbstständig gemacht und wie ist die Idee, nuuwaï zu gründen, entstanden?

Die Idee, nuuwaï zu gründen, kam eigentlich relativ spontan und ungeplant. Ich lebe selber seit fast 5 Jahren vegan und war immer auf der Suche nach nachhaltigeren Alternativen zu den üblichen veganen Handtaschen, die komplett aus PU oder PVC bestehen. Durch einen Zufall habe ich dann einen Beitrag über „Appleskin“ gesehen und war davon total begeistert. Leider gab es zu der Zeit niemanden, der das Material verwendet hat, weswegen ich mich dann dazu entschlossen habe, nuuwaï zu gründen.

Gründerin Swenja Detto (c) nuuwai

3. Ihr arbeitet ja mit dem Material „Appleskin“. Was ist das für ein Material und warum hast du dich ausgerechnet dafür entschieden?

„Appleskin“ ist eine vegane Alternative zu Leder und besteht zu 50% aus Abfällen, die bei der Produktion von Apfelsaft und anderen Apfelprodukten anfallen. Mich hat das Material überzeugt, weil es zum einen Leder optisch sehr nahe kommt, sehr vielseitig ist und in der Produktion Ressourcen eingespart werden.

(c) nuuwai

4. Stichwort Nachhaltigkeit: Wie nachhaltig ist denn das „Apfelleder“ im Vergleich zu anderen veganen Lederalternativen?

Im Vergleich zu den typischen veganen Lederalternativen aus PU sparen wir durch den Zusatz von Apfel 50% des Polyurethans ein und verhindern auch, dass die Apfelreste einfach entsorgt werden. „Appleskin“ ist auch sehr widerstandsfähig und flexibel, wodurch das Material langlebig ist. Ich trage unseren ersten Prototypen schon seit über 2 Jahren und er sieht noch aus wie am ersten Tag.

5. Wie wird denn aus einem Apfel letztendlich eine nuuwaï-Tasche?

Unser Apfelleder wird in Italien produziert aus Apfelresten, die aus Bozen stammen. Dort gibt es riesige Apfelplantagen und eine große Industrie, bei der Tonnen von Abfall entstehen. Ein Teil dieses Abfalls wird für unser Apfelleder verwendet. Im ersten Schritt werden die Apfel-Abfälle getrocknet und zu einem feinen Pulver gemahlen. Danach wird dann aus dem Apfel-Pulver, PU und Farbpigmenten eine Mischung hergestellt, die auf Baumwollbahnen aufgetragen wird. Diese Bahnen werden dann gewaschen und erhitzt, um das Material flexibel und widerstandsfähig zu machen, und im letzten Schritt geprägt. Dann macht sich das Apfelleder auf den Weg in unsere Produktion und verwandelt sich dort in eine Tasche.

6. Ist euch eine faire Produktionsweise wichtig und wo werden eure Taschen produziert?

Eine faire Produktionsweise war mir von Anfang an wichtig. Ich bin der Meinung, dass vegane Kleidung und Accessoires nicht „cruelty-free“ sein können, wenn in der Produktion Menschen unter schrecklichen Bedingungen arbeiten müssen und ausgebeutet werden. Wir haben uns verschiedene Produktionen innerhalb und außerhalb von Europa angeschaut und lassen unsere Taschen in einer familiengeführten Produktion in Indien nähen. Vor Beginn und während der Produktion waren wir dort zu Besuch, um sicherzugehen, dass alles unseren Vorstellungen entspricht. Das Unternehmen legt viel Wert auf eine faire Bezahlung der Arbeitnehmer, also eine living wage statt dem Mindestlohn, gute Arbeitsbedingungen und ist SMETA 6.0 zertifiziert. Das Gebäude wurde erst vor zwei Jahren neu gebaut und verfügt über alle wichtigen Sicherheitsmaßnahmen, wie Feuermelder, Feuerlöscher, Fluchtwege, Schutzkleidung etc. Wir stehen mit unserem Produzenten und den Mitarbeitern in engem Kontakt und werden auch in der Zukunft immer mal wieder vor Ort sein.

Wie ich schon gesagt hatte, haben wir uns auch Produktionen in Europa angeschaut, deren Arbeitsbedingungen uns sehr erschrocken haben. Deswegen sind wir froh einen Produzenten gefunden zu haben, dem wir vertrauen, und bei dem wir mit gutem Gewissen produzieren können.

7. Neben Apfelleder verarbeitet ihr ja auch Materialien aus recycelten Plastikflaschen und Fischernetzen. Was hat es damit genau auf sich?

Das Innenfutter unserer Taschen besteht aus recycelten Plastikflaschen und Fischernetzen, die im Rahmen des Projektes „Upcycling the oceans“ von ECOALF aus dem Meer gefischt werden. Hier kaufen wir Restbestände von ECOALF auf, die von ihnen nicht mehr weiterverarbeitet werden, da diese Mengen zu gering für die Textilindustrie sind. Deswegen kann es immer mal sein, dass unsere Taschen und Accessoires innen unterschiedliche Farben haben. Wir streben eine Zero Waste Produktion an, in der auch die Verschnitte unserer Materialien für kleine Teile wie Bänder, Innentaschen oder Schlüsselanhänger verwendet werden.

(c) nuuwai

8. Gibt es bei der Pflege eurer Taschen etwas Besonderes zu beachten?

Nein, unsere Taschen sind ganz pflegeleicht. Wenn sie irgendwie mal schmutzig werden sollten, kann man sie ganz einfach mit einem feuchten Tuch abwischen. Auch imprägniert werden müssen sie nicht, da durch ihren Apfel-Anteil, ähnlich wie bei einem Apfel, das Wasser einfach abperlt.

 

9. Wie stellst du dir die Zukunft von nuuwaï vor? Glaubst du, dass das Apfelleder DIE Alternative zu Leder sein wird?

Unsere Mission ist es, den Menschen vegane Alternativen zu Leder zu zeigen und sie zugänglicher zu machen. Im Hintergrund dessen hoffe ich, dass wir in der Zukunft immer mehr Leute von veganen Lederalternativen überzeugen können und noch weitere Produkte aus „Appleskin“ anbieten können.

Es gibt natürlich viele nachhaltige Alternativen zu Leder, aber für mich ist Apfelleder momentan eine der besten Alternativen, da sie Leder am nächsten kommt und super variabel ist.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Blog von Jessica. Speichern Sie den permalink als Bookmark.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.